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Die Frage nach dem historischen Jesus

Hartwig Weber

Die Frage nach dem historischen Jesus

HS, Umfang 2 st,
Studiengang GHS, RL, SLg,
Semester III-VII,
Zeit Mi 14-16, Raum B 410,
Beginn 15.10.03


Inhalte, Arbeitsweise, Zielsetzung:

Die Untersuchungen zum Leben Jesu und die Analyse der Bücher, die darüber geschrieben worden sind, zeigen, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen den gerade aktuellen Überzeugungen der Schreiber und ihren Forschungsergebnissen. Jeder findet in etwa den Jesus, den er gesucht hat. So bleibt es nach wie vor spannend, das tatsächliche Verhältnis zwischen den vorhandenen „Erzählungen“ (biblischen, theologischen, historischen Texten über Jesus) und den vermeintlichen „Ereignissen“ (im Leben Jesu) zu ergründen.
Was dabei problematisiert wird, ist die neutestamentliche, altkirchliche und noch heute in der Dogmatik gültige Christologie: Die historische Frage nach Jesus ist zunächst und insbesondere eine Infragestellung der Christologie (des Christusglaubens).
In den letzten zwanzig Jahren ist – entgegen den Ergebnissen der vorherigen kritischen Jesusforschung - die theologische Zuversicht gewachsen, aus den Texten des Neuen Testaments ein doch recht plausibles Bild des „irdischen“ Jesus ermitteln zu können. Ist dieser Optimismus begründet oder hängt er mit der konservativen Grundhaltung der aktuellen Theologie zusammen?
Das Seminar wird sich mit den grundlegenden Texten der historisch-kritischen Jesusforschung auseinandersetzen und diese (auf dem Hintergrund konstruktivistischer Problematisierung: „Das wahre Faktum steht nicht in den Quellen.“) kritisch analysieren.

Literaturhinweise:
Folgende Texte werden z. T. in Ausschnitten gelesen und diskutiert:

- Hans-Jürgen Goertz: Umgang mit Geschichte, Reinbek 1995 (insbes. S. 80 – 117).
- Hermann Samuel Reimarus: Vom Zwecks Jesu und seiner Jünger (1778). In: M. Baumotte: Die Frage nach dem historischen Jesus. Texte aus drei Jahrhunderten, Gütersloh 1984, S. 11 – 21.
- Gotthold Ephraim Lessing: Die Religion Christi (1780).
- David Friedrich Strauss: Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet (1835/36).
- Bruno Bauer: Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker und des Johannes (1841/42).
- Johannes Weiß: Die Predigt Jesu vom Reich Gottes (1892).
- Arthur Drews: Die Christusmythe (1909).
- Karl Ludwig Schmidt: Der Rahmen der Geschichte Jesu (1919).
- Rudolf Bultmann: Jesus (1926), Neues Testament und Mythologie (1941).
- Herbert Braun: Jesus. Der Mann aus Nazareth und seine Zeit (1969).
- Gerd Theissen / A. Merz: Der historische Jesus, Göttingen 1997 (2.Aufl.).
- Jörg Frey: Der historische Jesus und der Christus der Evangelien, in: J. Schröter u.a. (Hg.): Der historische Jesus, Berlin / New York 2002, S. 273 – 336.

Bezug zur Studienordnung:
- Neues Testament; Kirchengeschichte, Dogmatik (Christologie);
- Grundlagen historischer Theologie;
- Christentumskritik

Zielgruppe:
Studierende der Theologie als HF, NF GHS, RL, SLg mit historisch-kritischem Interesse

Anforderungen für die Vergabe eines Seminarscheines:
Von den Seminarteilnehmern wird die Bereitschaft zu intensiver Textlektüre (pro Woche ca. 10 bis 20 Seiten), zu kritischer Auseinandersetzung damit und Gruppenarbeit erwartet.

Hinweis:
Die zu behandelnden Textausschnitte werden als Seminarreader zur Verfügung gestellt. Sie können sie bei Frau van der Bosch (Sekretariat Theologie) zum Kopieren ausleihen.