Ein neuartiger Ansatz
Archiv 2002–2006
Was haben Schule und Strassenkinder miteinander zu schaffen? Wie steht es um die pädagogische Verantwortung der Lehrer?
Längst fordert die Wirklichkeit eine Antwort. Die Lehrer vor Ort - auf dem Land, in den Städten, in den Slums - sollten wissen, wie sie mit Strassenkindern und obdachlosen Flüchtlingskindern umgehen sollen, die vor der Tür ihres Klassenzimmers erscheinen. Bislang sind sie der Situation nicht gewachsen; auf diese Herausforderung hat man sie nicht vorbereitet.
"patio 13 - Schule für Strassenkinder" versucht Abhilfe zu schaffen. Das Projekt - es ist Forschungsvorhaben und Praxisprojekt zugleich - schlägt eine Brücke zwischen Schule bzw. Lehrerbildung und der Strasse. Es untersucht Lebenssituationen von Kindern, um sie verändern zu können. Dabei wird der für das Thema Strassenkinder meist übliche Blick von außen (Journalisten, Forscher) durch einen Blick von innen (der Kinder) ergänzt und korrigiert:
1. Strassenkinder der kolumbianischen Millionenstadt Medellín melden sich selbst zu Wort und berichten über ihren Alltag, ihre Probleme mit der Gewalt und den Drogen, über ihre Wünsche und Hoffnungen. Dabei betätigen sie sich als Fotografen - mit ihren Fotos vermitteln sie authentische Einblicke in eine uns fremde Welt, und mit Berichten und Erzählungen kommentieren sie ihre Bilder.
2. Die Fotos werden in Ausstellungen präsentiert. Außerdem werden sie in Lehr- und Lernmaterialien für Schulen und für die Lehrerausbildung sowohl in Kolumbien wie auch in Deutschland verarbeitet.
3. Im Umfeld der Kinder wird eine geeignete schulähnliche Lernumgebung eingerichtet, wo Strassenkinder ihre Lerndefizite abbauen können.
4. In die kolumbianische Lehrerausbildung wird ein neuer Studienbereich - "Strassenpädagogik" - integriert. Ehemalige Strassenkinder sollen an der Escuela Normal Pädagogik studieren, Lehrer werden und Strassenkinder unterrichten können.
